Luna

Tiefes, dumpfes Eismeerrauschen.

Luna – leuchtest Du da unten?

Hast Du doch im schwarzen Nichts

Deinen Lebenspuls gefunden?

 

Distanz

 

 

Atemhauch mit kalten Worten, die einen Vulkan umhüllen. 

Hände und Fingerspitzen, die sich fast doch nicht berühren. 

Distanz, die Nähe ist. Lassen. Doch nicht lassen können. 

Wille im ungewollten Deckmantel, der schützend versteckt.

Und Abwendung, die stumm nach Zuwendung schreit.

In fesselnden Regeln, lebende Nächte, schlafender Tag. 

Das Falsche wissen und sich darin vereinen. 

Um nicht zu ertrinken, in Stillstand versinken.

Hohelied

Deine Lippen, weiche Erfüllung

Deine Hände, das Stillen endloser Unruhe

Deine Augen, ein Versprechen an das Gute

Deine Stimme, in seidigen Tüchern

Dein Lächeln, geklärt vom täglichen Grau

Deine Taten, so scheu wie edel sie sind

Dein Wissen, tief, ernst und bescheiden

Deine Bescheidenheit, erhaben und demütig

Dein Gewissen, feste heilige Gitterstäbe

Deine Standfestigkeit, die unerschütterliche Instanz

Dein Mut, eine kraftvolle, gedämmte Flamme

Deine Angst, sanft in meiner Hand

Dein Schweigen, die weisesten Worte

Deine Worte, die Anmut Deiner Seele

Deine Fragen, ein ewiges Sehen

Deine Seele, ein sonniger Wintermorgen

Dein Name, eine ewige Umarmung

Dunkel

In der reinen Seele

suche ich das Dunkel,

als würde es dort funkeln

und locken mit süßen Rufen,

die ich gern versuchte.

 

In der schwarzen Tiefe,

wo Dein Ich nur schliefe

tauchte ich hinab

um es dort zu freien.

Ließ daraus gedeihen

Dein schlummernd wahres Lieben.

 

Empor würden es schießen,

sich in Dir ergießen,

durch die Adern rauschen.

Und dann würde ich lauschen,

wie Dein Dunkel klingt.

 

Denn manches Licht ist Schein.

Und fiel ich dort hinein,

würde ich erblinden,

mich selbst nicht wiederfinden

und auch Dich nicht mehr sehen.

 

Lass' uns ins Dunkel gehen...

 

 

Funken

Meine Seele ist endlos angetriebener Wahnsinn. Ewig suchend, ewig sehnend. Alles wollend, nichts findend. Unendliches Suchen und Irren.

Sie ist eine Flamme, die zu einem Glühwurm verkümmert, heiße Funken sprühen will.

Augenblick

Ganz versehentlich,

wirfst Du Blicke über mich.

 

Und drehst mir zu den Rücken.

Haiku

Leise rauscht die Welt,

für jene, die sich fürchten.

 

Hab' Mut wie ein Kind!

Es schreit die Seele

Es schreit die Seele, es dürstet ihr!
Und aller Eigenzweifel wider,
kämpfe ich gen an, mich durch zu Dir.

Der Tag mit schadenfroher Sonne,
der mich zunieder machen droht,
weicht der tollen Liebeswonne.

Die Seele schreit bald immer greller,
Gedanken ziehen mich hinan,
ich gehe, eile immer schneller!

Der Puls, bedacht noch ruhig zu bleiben -
das Herz jedoch zum Spurt bereit -
ich bin gleich da! Kein Weh, kein Leiden!

Wie das Kaninchen vor der Schlange -
halt ein! - ein Blick stoppt meine Wirrung,
und Deine Lippen - ... meine Wange.
Doch die Wissensmauer türmt sich auf,
wirft auf uns den großen Schatten.
So nimmt der Kreis denn seinen Lauf.
Gedanken an das Wohl und Leid, 
an Helden und an Selbstaufgabe
hüllen uns ins Tugendkleid.
Der letzte Kuss, süß, zu zart.
Die Schwere der getrennten Wege.
Das ist der Liebe Eigenart.

Weiße Seelen

Die blitzenden Sterne kitzeln wie stechende Eisfunken auf der Haut. Frostperlenschauer umschließt und verlässt mich. Jeder Atemzug kühlt mich aus. Die letzte Wärme verflüchtigt sich in kleinen Wolken, die meinen Mund verlassen wie weiße Seelen.

An die Sonne (Ausschnitt)

...
Ach, wie gerne würde ich mich in deine Richtung neigen.
Doch raubt die Rose mir das Licht, macht die Sonne sich zu eigen.
Nimmer darf ich mich entfalten, zeigen, was ich werden kann.
Ob ich Blume werd', ob Baum kann ich nie erfahren dann.
Oder willst Du mir gar sagen, dass ich Unkraut könnte sein?
Scheinst Du daher auf die Rose, die vertraut ist, ganz allein?
Dankbar ist sie allemal, selbst der Winter stört sie nicht.
Ihre Schönheit feiert jeder! Selbst wenn sie mit Dornen sticht.
Sonne, Sonne, brauche Dich, brauch' Dein Licht und Deine Wärme!
Sonne scheine auch für mich. Vergiss die Wolken in der Ferne.
...

Im Sommer stand sie Sonne hoch

Im Sommer stand die Sonne hoch.

Wir lagen unter tiefen Schatten
und sparten uns kühlende Worte.
Nur das frische Wasser
umgarnte unsere Füße.

Und es stand die Sonne hoch.
Windgesäusel in Halmen, die mich kitzelten.
Im Wechsel mit Deinen
neckenden Fingerkuppen.

Ja, im Sommer stand die Sonne hoch.
Der Duft Deiner Haare, der mich wegträumte.
ans Meer, wo der Sand nach Freiheit riecht.