
„Sie überdecken, überlagern und verbergen sich, geraten in Spannung, befreien sich in Teilen und entwickeln dabei eine eigene Präsenz – fast menschlich geht es in den Bildern zu.“
Die Ausstellung Surface Tension – Sedimente von Zeit und Körper setzt sich mit Oberflächen als dynamischen und speichernden Raum auseinander. Malerei und Zeichnung erscheinen hier nicht als abgeschlossene Formen, sondern als Art und Weise. Oberfläche wird zum Kontaktpunkt zwischen inneren und äußeren Zuständen. Spuren von Gebrauch und Transformation bleiben eingeschrieben und werden in neue Konstellationen überführt. Das Gemeinte wird porös, löst sich auf.
Christina Monschau schafft eine Ästhetik des Prozesshaften, die das Unfertige, Brüchige und Wandelbare nicht vermeidet, sondern als Grundlage und Spiegel begreift. Farbe, Stoff, Oxidation und Geste bilden kein hierarchisches System, sondern ein Geflecht der Gleichwertigkeit. Ein wiederkehrendes Moment ist die Spannung zwischen organischer und kultureller Formbildung. Naturprozesse, Verfall und textile Strukturen treten in Dialog mit konstruierten Ordnungen, kunsthistorischen Bezügen und abstrakten Prinzipien. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Intimität und Offenheit: teils aus unmittelbarer, körperlicher Materialerfahrung heraus, teils aus reflektierender Distanz heraus entwickelt. So entstehen Räume, in denen sich die uns lieb gewonnene eindeutige Zuordnung zerstreut.
Die räumlich gedachte Bewegung von Figuration zu Abstraktion wird zur performativen Struktur der Ausstellung selbst. Zur Vernissage reagiert die Tänzerin Sônia Mota mit einer Performance auf die einzelnen Stationen, nimmt Übergänge körperlich auf und erweitert sie. Ihr Körper wird so zum resonanten Medium zwischen Bildraum, Material, Zeit und den Anwesenden.
Surface Tension beschreibt die fragile Zone zwischen Form und Transformation – als Sedimente fortlaufender Prozesse, wie sie Natur und Kultur kennen, und als Spuren von Denken und Sein.
Wir laden herzlich zur Vernissage am 11.06.2026 ab 19.00 Uhr ein. Tanzperformance von Sônia Mota ab 20:00 Uhr.
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„Alles auf die Darstellung bezügliche kann nur dann musikalischerseits gelingen, wenn die feinste Ausführung des scenischen Details das Gelingen des dramatischen Ganzen überhaupt ermöglicht.“ (WAGNER: GS, 4. Aufl. Bd. 4., C.G. Röder (Hg.), Leipzig 1907, S.146f).
In einer „summarischen Mittheilung in Form einer Broschüre zunächst an alle Dirigenten“ (ebd., S.127f) fordert Richard Wagner, sein Werk nur unter der Bedingung allseitigen Interesses „an dem Gegenstand und an dem Unternehmen seiner Darstellung“ (ebd., S.177-179) zur Aufführung zu bringen oder es andernfalls gänzlich aufzugeben. Sein Beharren auf diese minutiöse Abstimmung von Szenischem und Musikalischem für die Gesamtwirkung ist darin ersichtlich.
Im geplanten Dissertationsvorhaben wird der Frage nach Anteilen auditiver (Sprache und Musik) und visueller Elemente (Szene, Bühnentechnik und Mimische Leistung der DarstellerInnen) im Handlungskontext an der Expressivität der gesamten Bühnenaufführung des Ring nachgegangen. Diese Untersuchung beruht auf der These, dass die Zusammenwirkung der Teilkünste zur Expressivität der Musik beiträgt und Aussagen von RezipientInnen über die Wirkung Rückschlüsse auf (kontrastierende, intensivierende, differenzierende, ergänzende etc.) Wechselwirkungen von Bild, Wort und Klang zulassen.
Dezidiert stehen damalige Aufführungen – 1869 und 1870 (München), 1876 (Bayreuth), 1878 (Leipzig), 1896 (Bayreuth) – im Fokus. Die enorme Fülle an Zeitzeugenberichten schafft ein solides Fundament für Hypothesen über den Zusammenhang von Aufführungsdetails und ihrer Wirkung. Dazu sollen die Rezeptionsstimmen der Zeitzeugen systematisch mit Blick auf die Frage ausgewertet werden, auf welche Faktoren des Werks und seiner Inszenierung sowie auf welche Rezeptionsumstände (kulturhistorische, soziologische, musikpsychologische Aspekte) bestimmte expressive Eigenschaften zurückzuführen sind. In der Arbeit wird daher erstmals über den in der Wagnerforschung üblicherweise untersuchten Rezeptionsbegriff hinaus (Wirkung im Sinne der Wirkungsgeschichte, also eines bestimmten Wagnerbildes und dessen Werks), erstmals die konkrete Wirkung bestimmter Stellen/Szenen etc. auf zeitgenössische HörerInnen erforscht.
Die systematische Aufarbeitung der Expressivität aus dem Blickwinkel zeitgenössischer RezipientInnen verspricht zudem neue Erkenntnisse in der historischen Emotionsforschung, einschließlich soziologischer und psychologischer Aspekte der Wirkung musiktheatraler Werke. Indem diese Untersuchung eine Brücke schlägt von der Rezeption expressiver Momente hin zu Faktoren, welche die entsprechende Wirkung bedingen, werden außerdem Erkenntnisse auf medialer Ebene zu expressiven Eigenschaften der betroffenen Teilkünste (insbesondere im Konzept des Gesamtkunstwerks) gewonnen.
Diese Loslösung von einer rein ideengeschichtlichen Betrachtung ermöglicht überdies, den Fokus weniger subjektiv und unbelasteter auf Wagners Werk zu lenken und öffnet so die Tür zu neuen gewinnbringenden Ideen im interdisziplinären Rahmen mit dem Potential für anknüpfende Forschungsansätze in verwandten Fachgebieten in der Musikwissenschaft und Musikpraxis, der Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft etc.
Seit 2023 wird die Dissertation im Zuge des Mercator Stipendiums durch ein historisch informiertes Regiebuch zum 1876er "Ring" erweitert. Zusammen mit der Partitur bildet es eine wesentliche Diskussions-/ bzw. Erläuterungsgrundlage, auf welcher sämtliche szenische Anweisungen und Konzeptionen in ihrer exakten Abstimmung aufzeigbar sind. Das Regiebuch wird mit direktem Praxisbezug in der Arbeit am historisch informierten konzertanten Ring-Zyklus unter Leitung Kent Naganos mit den Dresdner Musikfestspielen und Concerto Köln erarbeitet. Es entsteht also im Rahmen des Promotionsprojekts ein wissenschaftlich fundiertes, aber aufführungspraktisch nutzbares Regiebuch, welches in Wissenschaft und Praxis neue Perspektiven eröffnet.
Titel: 間 – Zwischen Musik und Körper im Butō
Der im Japan der 1950er Jahre entstandene Butō (japanisch 舞踏, butō, dt. „Erd-/Stampftanz“), auch Ankoku Butō genannt (暗黒舞踏, dt. „Tanz der Finsternis“), ist eine Tanzform, in welcher nicht nur verschiedene Künste, sondern auch asiatische und westliche Kultur kulminieren. Obwohl die Begründer des Butō, Hijikata Tatsumi und Ohno Kazuo, nach den traumatischen Ereignissen des zweiten Weltkriegs im Tanz, zwischen Loslösung von alten Traditionen und westlichen Tanzstilen, einen neuen Ausdruck suchten, entwickelte sich im künstlerischen Austausch zwischen japanischen und westlichen TänzerInnen und anderen Künsten eine bis heute anhaltende vielschichtige transkulturelle Wechselwirkung, die sich auch im Dialog von Musik und Körper niederschlägt. Wesentlich dabei ist neben auditiv und visuell Wahrnehmbarem alles "dazwischen" Geschehende, was in der japanischen Ästhetik mit dem Wort Ma (japanisch 間, dt. „zwischen“) beschrieben wird und weitaus mehr umfasst als etwa "Zwischenräume", "Stille"; oder "Leere". Entlang dieses Phänomens, als eine dem Butō zugrunde liegende Philosophie und Idee, untersucht der Aufsatz jene mannigfaltigen Verbindungen zwischen Klang und Körper.