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SO HABE ICH DIE KUNST ENTDECKT - EINBLICKE 2011-2012

Verfolgt meine Texte im Blog der Kölner Malschule. 

 

Hier   findet man aus dem Jahre 2011 meine Blog Einträge zur Mappenvorbeitung für das Kunststudium! 

 

 

Christinas   Tagebuch, ein Weg zur Wunschmappe!

Ich bin naiv. Ich werde Künstler.

Aber nein, so einfach ist das nicht. Hinter dem Wunsch des „Künstlerwerdens“ zu stehen ist wahrlich keine leichte Entscheidung. Mit ein wenig Pech und Faulheit, schafft man es auch vielleicht, irgendwann auf der Straße zu landen. Nichts desto trotz: Es ist KEINE naive Entscheidung.
Ich habe nicht immer so gedacht und teilte mir mit vielen Pessimisten eine Meinung. Das war, bevor ich in die Malschule „geriet“.

Man könnte wirklich sagen, dass ich mehr oder weniger hinein geraten bin. Natürlich habe  ich diesem „Zufall“ etwas nachhelfen müssen. Aber wie genau es dazu kam, möchte ich euch schon noch wissen lassen, bevor es mit meinem Maltagebuch richtig los geht.

Vielleicht kennt ihr aus der Schule noch die berühmten W-Fragen: Was? Wer? Wie? Wo? Wann?
Sie sind heute unser kleiner Leitfaden in die „Welt der Malschule“.

WAS hat mich dazu bewegt in die Malschule zu gehen?

Ich weiß nicht mehr genau wann es angefangen hat, aber irgendwann (so zwischen 6 und 9 Jahren) war ich zu einem dieser Kinder geworden, die alle Nase lang mit ihren Bildern zur Lehrerin, zu Oma und Opa oder zu den Eltern rennen, um zu zeigen was sie tolles können. Natürlich wurde der ersten Person, die dann das „Kunstwerk“ zu sehen bekam das Bild geschenkt. Ich wollte meine Bilder nie behalten.

Und wie es so ist, wenn man immer wieder und immer weiter malt/zeichnet; man wird allmählich besser, sucht sich ein Vorbild, versucht es nach zu ahmen und steigert seine Anforderungen an sich selbst. Mein Vorbild war eine junge Frau, Sarah Geuer, die damals auf uns aufgepasst hat. Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte ich vermutlich irgendwann das Interesse an der Kunst verloren. Sie ist eine hervorragende Zeichnerin und hat sich bei jedem Besuch intensiv mit mir und meinen Zeichnungen befasst.  (Danke Sarah)

Irgendwann kam Sarah nicht mehr und ich war mit meinem winzigen Grundwissen auf mich alleine gestellt. Meine Eltern hatten viel um die Ohren gehabt und, wie auch ich, nicht erkannt, dass man  meinen  Affinität zur Kunst fördern musste.

(Bitte liebe Eltern, haltet ab und zu inne und schaut euren Kindern zu. Seht was sie tun, wie sie es tun. Horcht, was sie sagen. Sie brauchen eure Aufmerksamkeit, damit ihr vielleicht etwas früher schon ihre Stärken und Schwächen entdeckt. Lasst sie möglichst viel ausprobieren, damit sie früh genug erkennen, was ihnen liegt und was sie ausbauen möchten. Ich wünschte ich hätte meine Fähigkeiten früher kennen gelernt. Dann wäre es jetzt nicht so schwer.)

Auch an meinem ehemaligen Gymnasium, mit naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, wurden Kunst und Musik vernachlässigt! So habe ich erst nach dem Abitur begonnen, mich ernsthaft der Musik und der Kunst zu widmen. Alleine, wusste ich, würde ich es nicht schaffen, versäumtes nach zu holen. Also begab ich mich in die unendlichen Weiten des Internets, ohne ein wirkliches Ziel. Nur eines wusste ich: Ich will endlich richtig malen und zeichnen lernen. Und es dauerte zum Glück nicht lange bis ich auf die Homepage der Malschule traf.

 Wer bin ich überhaupt?

Das frage ich mich selber oft genug. Doch heute will ich euch nicht mit philosophischen Ansätzen quälen, sondern mich lediglich vorstellen, damit ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt:

Ich bin in Köln geboren, habe in Köln die Schulbank gedrückt und gehe in Köln in die Malschule. Ich bin nicht viel herum gekommen, aber das soll sich noch ändern.

Meine Interessen sind so vielseitig und zahlreich, dass ich manchmal die Orientierung verliere, wessen ich mich nun widmen soll. Ich spiele Klavier, singe (und liebe den klassischen Gesang), ich gehe gerne in die Oper, ich schreibe gerne und habe vor mein erstes Buch im Winter über „BOD“ zu veröffentlichen. Fotografie, Filmkunst und natürlich die Malerei haben mich schon immer besonders fasziniert, weil ich in diesem Medium meine Gefühle und meine Ansicht am intensivsten zum Einsatz bringen konnte. Gefühle spielen eine wesentliche Rolle, sie sind so zu sagen meine oberste Instanz und haben eine nicht der Norm entsprechende, ausgeprägte Wichtigkeit. Wenn man diese Charaktereigenschaft zu seinem Vorteil nutzen kann, ist das klasse!

Ich würde mich außerdem Hobby-Philosophin nennen, möchte mich aber nicht zu den Esoterikern zählen, die sich ebenfalls so nennen. Ich bin eine unglückliche Skeptikerin, weil Menschen die glauben unbeschwerter und glücklicher zu sein scheinen.

Windsurfen, Klettern, Wandern in den bayerischen Alpen und Skifahren würde ich gerne viel öfter machen. Und auf Terminemarathon, Menschenmassen, oder Alltagsreiberein könnte ich dafür auch gerne mal verzichten.
So viel zu mir.  „Mais… ne parlez pas trop de moi, les enfants !“ (Louis de Funès)

WIE bin ich an die Malschule geraten?

Wie schon erwähnt, habe ich im Internet nach einer Lernmöglichkeit gesucht. Typisch fürmich war, dass ich nicht nur eine Schule angeschrieben habe, sondern zusätzlich Malworkshops, private Mallehrer, Musikschulen, Kurse an der Volkshochschule und an viele andere Anfragen schickte. Die Übermotivation kam mir teuer zu stehen, als mein Terminkalender vor Probestunden nur so überquoll und ich von einem Ort zum anderen rannte.

Der Tag an dem ich in der Kölner Malschule mein Infogespräch vereinbart hatte, war einer der besonders vollen und so kam es, dass ich am Nachmittag völlig entkräftet, bei praller Sonne und unerträglicher Hitze die Subbelrather Straße rauf und runter lief. Mit meinen Gedanken schon wieder beim nächsten Termin, hatte ich mir nämlich nicht die Adresse auf geschrieben. Und so bin ich, wie ich heute weiß, ca. vier mal an der Malschule vorbei gelaufen ohne es zu merken und dann bin ich frustriert nach Hause, weil eben der einzige Termin auf den ich mich wirklich gefreut hatte, ins Wasser gefallen war.

 

 

Als ich aus Frust alle anderen Termin schließlich abgesagt und schon beschlossen hatte, nie wieder was mit Kunst und Musik zu tun haben zu wollen,  bekam ich von der Kölner Malschule überraschend einen neuen Termin angeboten. Nachdem ich von meinem Missgeschick und meinen miserablen geographischen Fähigkeiten erzählt hatte, sagte ich also zu und das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ungelogen!

WO wird gemalt?

Na, in der Kölner Malschule ist ja klar, aber vielleicht kann ich euch von meinem ersten Eindruck erzählen.

Die Malschule hat, wie ihr vielleicht wisst, mehrere Filialen, daher kann ich nur aus Köln berichten. Die Malschule hat eine tolle Lage. Ob U-/ oder Straßenbahn, ob Auto oder Fahrrad, die Malschule ist super zu erreichen.Von der stark befahrenen Subbelrather Straße bekommt man kaum etwas mit, weil sie auf einem Hinterhof gelegen ist.

Als ich zum ersten mal vor der Malschule stand, wirkte sie wie eine alternative kleine, von Traubengewächs berankte, Künstler-Oase in mitten der grauen Großstadt.  Aber als ich einen Schritt in die Malschule setzte, war ich überrascht, weil sie größer war, als ich erwartet hatte und eine Lockerheit, Freundlichkeit und Offenheit herrscht, die man normalerweise mit dem Begriff „Schule“ nicht verbindet.Ich empfinde die Atmosphäre in der Malschule einfach als harmonisch, ja fast schon als familiär. Mein Kurs beginnt meist um neun Uhr am Morgen, der aber jedes mal mit  ausgeglichenen Gesichtern und meinen heiß geliebten frisch aufgebrühten Kaffee beginnt.

(Seit) WANN besuche ich die Malschule?

Wenn man bedenkt, wie lange manch andere Schüler schon Mitglied sind, bin ich verhältnismäßig noch ein Küken. Seit Sommer diesen Jahres besuche ich die Malschule, drei mal wöchentlich jeweils drei Stunden und erhoffe mir durch die häufigen Lehreinheiten schnell und kontinuierlich Fortschritte zu machen. Schließlich habe ich vor, zu nächsten Wintersemester mein Lehramtstudium zu beginnen.

Tagebuch Mappe

Christina

 

Ich heiße Christina und mein Ziel ist es, Freie Kunst zu studieren. Wieso Kunst? Weil ich schon im Alter von drei Jahren angefangen habe, zu malen… Nein, Blödsinn! Ich will Kunst studieren, weil es Kunst ist, was mich interessiert, weil Kunst einen großen Teil meines Leben ausmacht, oder ganz einfach ausgedrückt: Ich würde gerne  zusammen mit Gleichgesinnten meinen Weg suchen.

 

Ich habe beschlossen, während der Vorbereitung meiner Mappe, einen Blog in Form eines Tagebuchs zu verfassen und würde mich freuen, zu hören, was ihr so über meine Einträge denkt und wenn ihr keine Lust habt, etwas zu sagen, dann haltet einfach die Klappe und seid kreativ :)!

Aller Anfang ist…. trivial? (I.)

Aller Anfang ist…. trivial?

Wie es ist, wenn man beschließt mit der Kunst eine ewige Bindung einzugehen.

Es ist nicht so, wie viele glauben mögen, dass man immer mit einer festen Vorstellung seiner Mappe für die Uni in die Malschule geht und gleich mit einem Ölgemälde oder einem riesengroßen Projekt auf einer Leinwand startet. Es beginnt nämlich mit einem Grundkurs im Zeichnen und da ist es dann egal, wie sehr man vorher von Eltern, Lehrern und Freunden für die eigenen Bilder und Zeichnungen gelobt wurde (die haben doch, ehrlich gesagt, meistens keine Ahnung von Kunst).

In der Malschule wird man mit der Realität konfrontiert. Das bedeutet konstruktive Kritik und ehrliches Lob, aber dazu später. Im Grunde fängt jeder erst mal bei null an, was für viele sicher nicht einfach ist, wenn man schon glaubt, wesentlich fortgeschrittener zu sein.

Ich gebe zu, ich habe auch viel Lob bekommen, bevor ich in die Malschule kam, habe mich allerdings mehr darüber geärgert, weil ich selbst dann Lob bekam, wenn ich meine Bilder selber schlecht fand. Daher habe ich gleich akzeptiert, dass ich Geduld und Ausdauer mitbringen muss, was vermutlich daran lag, dass ich viel zu lange keine oder oberflächliche Bemerkungen zu meinen Arbeiten bekommen hatte und endlich jemand da war, der wirklich Ahnung hat und dessen Meinung auch einen gewissen Wert für mich darstellt.

Schon als ich meinen ersten Schritt in die Malschule machte und all diese kreativen Menschen in einem einzigen Raum sah, wie sie erschufen, gestalteten, entwickelten und wuchsen , war mir plötzlich klar: Ich werde das hier durchziehen, komme was wolle.

Und wenn man, wie ich, beschließt mit der Kunst eine lebenslange Bindung einzugehen, muss man sich darauf einlassen, ihre wahre Beschaffenheit kennenzulernen. Alles, was man so zeichnen kann, lässt sich in Formen wie  Würfel, Kugel, Zylinder, Kegel, Pyramide ausdrücken. Wenn man diese nicht beherrscht, wird es auch nichts mit komplexeren Zeichnungen.

Wer sich auf die Kunst einlässt, muss Kompromisse eingehen, aber es lohnt sich. Die Kunst ist eine sehr dankbare Lebensgefährtin.

Sehen lernen und einfache Gegenstände zeichnen

Sehen lernen und einfache Gegenstände zeichnen

„Und ich sah, dass es gut war“

In der Malschule gibt es einen großen Fundus an Gegenständen, die man zeichnen kann. Wenn man sich mit den ersten Zeichenübungen vertraut gemacht hat, kann man beginnen, mithilfe der Gegenstände direkt vom Objekt abzumalen. Dazu ist es wichtig, sich mit dem Objekt genau auseinanderzusetzen.

Ich glaube, ich habe mir eine Kaffeemühle genommen und begann wie ein kleines Kind zu malen. Einen kleinen Kasten, auf dem einen größeren, eine kleine Kugel, auf dieser einen langen waagerechten Zylinder und an dessen Ende wieder eine Kugel. Ich achtete darauf, dass die Linien des Würfels parallel verliefen und die Kreise rund.

Es passiert schließlich oft genug, dass man etwas zeichnet und später sieht es irgendwieschief aus. Wenn man die Grundformen des Objektes allerdings beherrscht, kann kaum noch etwas schiefgehen.

Erst dann verfeinerte ich die Konturen und schattierte an einigen Stellen.

Es war ein neues Erlebnis, weil ich zeitlebens überwiegend Menschen gezeichnet hatte und meine gegenständlichen Zeichnungen dementsprechend eingeschränkt, bzw. einseitig ausgeprägt waren.

 

Als ich an dem Abend wieder zu Hause war, sah ich plötzlich alles wie in kleinere Formen aufgeteilt. Ich stellte mir vor, wie ich meinen Schrank, meinen Notenständer oder meine Teekanne zeichnen würde.

Da ahnte ich noch nicht, dass dieses „zeichnerische Sehen“ sich noch weiter ausdehnen und später sogar dominieren würde. Aber ich war mir sicher, dass es ein gutes Zeichen war.


 

P E R S P E K T I V E N

 

 Die Perspektive spielt bei der Wirkung eines Bildes eine große Rolle. Daher bleibt auch diese Etappe im Grundkurs nicht aus.

Die Perspektive, die einem zuerst in den Sinn kommt, ist gewöhnlich die „Augenhöhe“, welche unseren Alltag widerspiegelt und daher schnell langweilig wirken kann. Also machte ich mich schon nach den ersten paar Stunden an ungewohntere Blickwinkel, damit ich auch später mithilfe extremer Blickwinkel Spannung erzeugen kann.

Ich übte mich in der Vogel- oder Froschperspektive. Und anschließend auch in den Perspektiven dazwischen. Da man sich in die Perspektiven hineinversetzen muss, schulte ich in diesen Stunden nebenbei auch mein Vorstellungsvermögen.

Nachdem ich etliche Gegenstände aus dem Objektefundus von oben und unten und hinten und vorne gezeichnet hatte und anfängliche die Euphorie etwas verblasste, durfte ich dieTechnik mal auf Menschen anwenden, die ich zuerst (wie auch die Gegenstände) in simple Formen aufteilte, wobei sich Zylinder gut eignen:

Dadurch fiel es mir viel leichter, die Perspektive richtig darzustellen.

 Zuvor habe ich stets drauflos gemalt, ohne die Anatomie zu beachten. Und obwohl es am Anfang etwas langweilig aussieht, einen Menschen aus Zylindern vor sich zu sehen, wird das Ergebnis letztendlich wesentlich besser.

„Immer locker bleiben“

Christina, Skizze

Christina, Skizze

   

„Immer locker bleiben”

 

Wie schreibt ihr eigentlich? Nehmt doch mal einen Stift in die Hand und schaut, wie eure Handhaltung ist, wenn ihr schreibt.

Und nur schaut mal, wie eure Hand und eure Finger sich verhalten, wenn ihr zeichnet?

Merkt ihr einen Unterschied?

Also ich für meinen Teil lege meine Hand und meinen Unterarm beim Schreiben auf dem Tisch ab und bewege den Stift fast nur mit den Fingern.

Manchmal auch mit dem Handgelenk. 
Wenn ich am Tisch zeichne, mache ich immer wieder den gleichen  Fehler. Ich zeichne so wie ich schreibe. Und nach spätestens einer Stunde verkrampfe ich völlig, weil ich den Stift beinahe festkralle, als würde er sonst Beine kriegen und panisch weg laufen. Bei langen Abiturklausuren habe ich dasselbe erlebt.

Diese verkrampfte Haltung hat sicherlich ganz viel mit dem Erwartungsdruck zu tun, mit dem ich an die Arbeit ging.

Als ich zum ersten Mal in der Malschule versuchte einen 20 cm langen Strich mit fest aufliegendem Unterarm zu zeichnen, war ich erst übermütig und dann verzweifelt, denn es ging nicht. Die Linie war immer ein wenig gebogen. Als sei mein Unterarm ein Zirkel.

Erst als ich versuchte aus der Schulter zu zeichnen und nicht aus dem Handgelenk, wurde es langsam besser.

Wer von euch Tennis spielt, weiß, wovon ich rede, wenn ich sage, aus der Schulter zeichnen. Beim Tennis bewegt man nicht, wie beim Badminton, das Handgelenk, sondern den gesamten Arm, als könne man das Handgelenk nicht mehr bewegen. Erst dann bekommt man die gerade zielgerichtete Bewegung hin.

Diese Übung ist wichtig, da sie sich auch später auf das Malen auswirken wird. Ohne Zeichengrundkurs keine vernünftige Malerei! Punkt.

Schaue endlich richtig hin

Seit etwas mehr als zwei Monaten besuche ich nun die Malschule – eigentlich eine kurze Zeit. Wenn man meine Bilder der letzten Wochen betrachtet, habe ich nach außen hin nur spärliche Fortschritte gemacht. Aber wenn ihr bloß einen Blick in meinen Kopf werfen könntet! Die Kunst hat für mich eine völlig neue Präsenz. Ich nehme sie anders wahr. Ich nehme alles anders wahr. Ich schaue endlich richtig hin.

Christina, Landschaft

Christina, Landschaft

Als ich mich in der Malschule angemeldet habe, war ich noch vollkommen orientierungslos und konnte zwischen Träumereien und realisierbaren Wünschen nicht so recht unterscheiden. Dirigentin, Sopranistin, Autorin, Pianistin, Schauspielerin, Komponistin – alles schien mir eine mögliche Zukunftsoption. Allein jeder dieser Wege wäre lang und schweißgetränkt geworden.

Am Ende war es die Kunst, die mein Leben eroberte. Und zwar ganz einfach deswegen, weil es ihr zu eigen ist, mir schon während des Lernens so viel zu geben, dass ich daraus wiederum die Kraft zum Weiterlernen schöpfe.

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Grundkurs-Malstunde – eine Landschaftsmalerei. Blauer Hintergrund, grüne Wiese und ein Baum. „Wie trivial!“dachte ich übermütig, gehörte ich doch zu den Kindern, die von Eltern, Lehrern und Freunden nichts als Lob für ihre kreativen Versuche geerntet hatten. Der Übermut schwand schnell und wich Demut.

Mein Bild erinnerte mich anfangs vage an eines der Bilder, die noch immer am Küchenschrank meiner Oma hängen, und auf denen in krakeliger Schrift „Für Omi“ steht.Mein Bild hielt mir einen Spiegel vor. Ich konnte mir nicht länger etwas vormachen und musste der schlichten Wahrheit ins Auge sehen: Ich hatte mich überschätzt.

Wer von euch schon mal das Glück hatte, wirklich guten Philosophieunterricht zu genießen, hat sicher die Erfahrung gemacht, dass man in erster Linie lernt, wie man selber philosophiert und nicht wie man sich stupide das Wissen der Philosophen einprägt. So ist es auch, wenn man das Malen lernt:

Es geht nicht in erster Linie darum, perfekt malen zu können, sondern darum, wie ich individuell durch das Malen etwas lernen kann.


Die „Wuth“ über den Expressionismus

Wenn ich an meine Auseinandersetzung mit dem Expressionismus denke, erklingt in mir sofort „Die Wuth über den verlorenen Groschen“ (Alla Ingharese; Quasi un Capriccio) von Mozart. Für jene, die das Stück nicht kennen, könnte man es so beschreiben: Ein aufbrausender, leicht unkontrollierter, an Wahnsinn erinnernder Prozess, mit Höhen und Tiefen. Ich persönlich, durchlebe ihn mit der Neugierde eines Kindes, mit der Ungeduld einer Pubertierenden und mit der Selbstkritik einer Erwachsenen.

Ich weiß nicht woher die Wut kommt. Ich habe im Grunde nichts gegen den Expressionismus. Intensive Bilder mit dominanten Farben und enormer Ausdruckskraft. Eine Vielfalt in einem Stil, die es fast jedem Künstler ermöglicht, mindestens ein sympathisches Vorbild zu finden, mit dem man üben kann.

Ich habe mich in einer der er ersten Malstunden an ein expressives Bild gewagt und mir ein Holzkreuz, eine Taucherflosse und eine Model-Hand aus dem Kunstfundus geschnappt. Ein Hauch von Verrücktheit, in den man viel hinein interpretieren kann. Also, meiner Meinung nach, ein gutes Motiv, mit dem ich etwas anfangen zu können glaubte. In verschiedenen Farbkombinationen nahm ich mir vor, Trauer, Freude, Schmerz oder Angst in den Abbildungen darzustellen. Aber mein Vorhaben scheiterte.

Meine Bilder wirkten nicht plastisch und spiegelten keine elementare Regung wieder. Vielleicht fehlte der Mut, spontane Pinselstriche in eindrucksvolle grobe Formen zu verwandeln. Wodurch wir wieder bei meinem „Normenkäfig“ wären, der mich in den Zwang bringt, die Wirklichkeit im höchsten Maße Naturgetreu wiedergegeben zu wollen. Ich denke, Expressionismus ist erst dann gut, wenn es nicht gewollt sondern gefühlt aussieht.
Damit meine ich bloß, dass es nicht reicht ein Gefühl in einem Bild geplant darstellen zu wollen, sondern eswährend der Pinselführung nachzuempfinden, sodass das Bild von ganz alleine zu diesen Ausdruck erlangt.

Memo an mich selbst-  Meine „gesunde Verrücktheit“ weiter ausbauen, bis ich mutig genug bin, um abstrakte(!) Interpretation meiner (ganz persönlichen) Wirklichkeit konstruieren zu können.

Oder vielleicht sollte ich einfach mal neue Gefühle zu lassen, damit nicht immer dieselben in meinen Bildern dominieren.

Expressionismus ist nichts für Angsthasen hinter Normgittern.

I m p r e s s i o n i s m u s

Kitsch ist gut für´s Gemüt

Findet ihr Impressionismus kitschig? Sind Impressionisten oberflächliche, blauäugige Realitätsflüchtlinge, die sich in eine ästhetische Scheinwelt verkriechen? Nicht ganz, wenn ihr mich fragt. Ausnahmsweise verfalle ich in meiner Meinung mal keinem Extrem.

Mir fehlt  DramatikEmotionalitätpersönliche Interpretation, ganz klar. Aber nach meinem zweiten, oder dritten impressionistischen Bild, begann ich zu verstehen was es heißt ein solches zustande zu bringen. Es erfordert vermutlich einiges an Sensibilität, für die Wahrnehmung und die Ausführung. Malt man direkt ein Abbild der Natur, so braucht man einen sehr wachen Geist, um die Stimmungen einzufangen, die da draußen nun mal ständig wechseln. Kaum etwas in der Natur, kaum etwas im Leben, ist statisch. Alles ist im Lauf. Selbst für einen MonetDegas oder Renoir bleibt die Natur nicht stehen.

 

Obwohl ich nur Fotos, oder Bilder berühmter Maler zum Vorbild genommen habe, schien es mir, als wolle die Natur sich einfach nicht einfangen lassen. Wahrscheinlich war gerade dies der falsche Ansatz: Die Natur einzufangen. Wer das schon so angeht, kann kein lebendiges, stimmungsvolles Bild schaffen. Tiere lassen sich ungern einfangen, die Natur erst recht nicht. Auch nicht auf Papier oder Leinwand.

Ich nehme mir also vor, mich am nächsten sonnigen Tag auf eine Wiese zu setzen und die Stimmung auf mich wirken zu lassen, ohne den Hintergedanken, sie einfangen zu wollen.

Das kling leicht esoterisch. Wenn man so will, könnte das Vorhaben auch als Meditation mithilfe von Natur, Eindrücken, Wahrnehmungen und dem leeren Blatt vor mir bezeichnen. Nur die Farbe wird sichtbar machen, was in diesem Moment vor sich ging an diesem einen Ort.

Impressionisten sind -für mich- die Selbstlosen unter den Künstlern. Viele Künstler sind narzisstisch, egoistisch, darauf aus ihr Inneres durch die Kunst nach Außen zu kehren. Während die Impressionisten in ihrem Umfeld auch Stimmungen malenswert finden und nicht nur die ihren.

Wenn ich so darüber nachdenke, ist es ein wunderbarer Dienst, den die Impressionisten uns erweisen.

Ihre Werke mögen für den einen kitschig sein, aber so wertvoll für den anderen, der sich bewusst macht, wie schnelllebig wir Menschen sind. Ein impressionistisches Bild zu betrachten, ist für mich wie eine Ruhephase für meine Sinne, die in unserem hektischen Alltag ständig wechselnd beansprucht werden.

Ein Augenblick, für immer da.

Abstrakte Malerei

Loslösung ist die größte Kunst

Über die Abstrakte Malerei gibt es zu viel zu schreiben. Nicht weil ich denke, dass sie den größten Raum in der Kunstgeschichte einnähme, sondern weil sie für mich persönlich ein riesiges Thema darstellt.

Die Abstrakte Malerei und mich verbindet eine HassliebeSie hält mich gefangen, beeindruckt mich, aber ich bin nicht in der Lage, mich auf sie einzulassen.

Lat. abstrahere heißt so viel wie „trennen“. Man trennt sich von Unwichtigkeitenund konzentriert sich nur auf Wesentliches.

Die Auseinandersetzung mit derAbstraktion ist mir seit desPhilosophieunterrichts schonRätsel und Mühe. Dort lernte ich die Abstraktion als etwas kennen, das es uns ermöglicht, durch Weglassen von Individuellem und Hervorheben von Wesentlichem, zum Allgemeinen zu gelangen.

Wenn wir eine Tanne abstrahieren wollen, machen wir daraus ein Nadelgehölz, wenn wir Nadelgehölz abstrahieren, wird daraus ein Baum, dann eine Pflanze und wir enden vielleicht bei „Lebewesen“ – wobei ich unsicher bin, ob die Abstraktion jemals enden kann.

Wenn man sich beim Malen in die unbekannten Gewässer derAbstraktion begibt, muss manbestimmte Vorkehrungen treffen, um nicht unterzugehen – nämlich herausfinden,was denn nun wesentlich und was unwesentlich ist. Also frage ich mich dann z.B. was für mich das „Baumsein“ ausmacht? Grün, braun, lebhaft, oder starr? Die Nadeln? Worauf will ich meinen Fokus legen?

In dem Moment, in dem man entschieden hat, was man hervorheben will, bedarf es noch eines weiteren Schrittes – man muss Unwichtigkeiten auch loslassen können.

Perfektionisten und Realisten haben da schlechte Karten. Ich bin mehr als das, ich bin eine  mangelhafte Künstlerin, die sich einbildet, perfektionistisch zu sein und eine Träumerin, die sich vom Realismus nie ganz loslösen kann.

Mein Problem bei der Sache ist weniger, mich vom Perfektionismus oder Realismus zu verabschieden, ich fürchte mich mehr vor dem „Loslassen“.Bedeutet dies nicht Kontrollverlust?

Was passiert, wenn ich die Kontrolle über mich selber abgebe? Was hält dann noch dieEmotionen zurück? Kommen sie hoch gesprudelt wie ein Lava aus einem gigantischen Vulkan, dessen Krater unmittelbar in meine Seele ragen?

Man muss etwas riskieren, wenn man sich der Abstrakten Malerei hingibt. Man muss mit allem rechnen und alles zulassen, sonst ist es nichts Halbes und nichts Ganzes. Und wahrscheinlich macht genau das die Abstrakte Malerei aus.

Der Normkäfig

In meinen ersten Einträgen habe ich mehrmals den „Normkäfig“ erwähnt. Heute möchte ich genauer darauf eingehen, da er schließlich ungewollt eine starke Präsenz in meinem Leben eingenommen hat.

Man könnte sagen, er hat sich von Jahr zu Jahr um mich herum aufgebaut, ohne dass ich es merkte. Meine Freiheit und Autonomie waren nichts als Illusion, die durch unsichtbare Gitterstäbe meines Normkäfigs begrenzt wurden.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Was das mit der Malerei zu tun hat? - Kreativität ist einer der Grundbausteine für unvergessliche, ausdrucksstarke Kunst. Aber ohne Freiheit, keine Kreativität, womit ich keine physische Freiheit meine. Ich meine freie Gedanken, freie Wahl,  freie Meinungsäußerung, freischaffende Kunst etc. Doch solange meine Gedanken von Normen und Regeln eingeschränkt werden, sind sie nicht frei und meine Kunst wird sich immer auf die Norm beschränken. Aber, wie das Motto der Malschule schon besagt:Normal ist langweilig!

Es wäre sicher einfacher, mich aus dem Käfig zu befreien, jetzt, da ich mir dessen bewusst bin. Wenn da nicht die Angst vor dem wäre, was außerhalb der Gitterstäbe liegt. Es gibt vermutlich zig Menschen, die in diesem Normkäfig sitzen, zitternd vor dem, was da draußen lauert.

Christina Monschau Mappenvorbereitung

Für mich persönlich ist die größte Gefahr da draußen die Unfähigkeit, etwas Ausdruckstarkes, Ästhetisches oder Phantastisches, mir noch Fremdes erschaffen zu können. Und dieser Leistungsdruck hält von außen gegen die Gitterstäbe an, hält sie zusammen.

Das, wovon ich mich zu befreien versuche, ist zugleich das, was mich vom Befreien abhält. Ein Teufelskreis.

Aber so sehr ich mich auch vor der Welt hinter dem Gefängnis fürchte, fasziniert sie mich derart, dass ich ab und zu verstohlen einen Finger oder gar eine ganze Hand in die Freiheit tauche. Die heimliche Versuchung. Etwas Verbotenes.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Wenn plötzlich das Unmögliche möglich würde und ich mir nicht mehr verböte verrückt, wild und gegenstandslos zu malen, verlöre dann die abstrakte Malerei ihren Reiz für mich?

Will ich vielleicht mein mir selbst auferlegtes Verbot behalten, um den Reiz an der Abstraktion weiterhin zu spüren? Oder einfach, um Enttäuschungen zu verhindern? Wie ein Kind an Weihnachten, das weiß, wo die Eltern die Geschenke versteckt haben, aber nicht nachschaut, aus Angst, dass der Zauber der Weihnacht dann verloren ginge? Damit weiterhin ein Hauch von Glauben, von Traum und Zauberei erhalten bleibt? Was geschieht, wenn ich hinter diese verbotene Türe schaue?

Es hat – so schön dieser Gedanke auch ist und so gerne ich ihn für mich behalten möchte – keinen Sinn, mir weiter die Tür zu verschließen. Ich möchte schließlich lernen und wachsen. Und wenn ich stehen bleibe, bleibt alles, wie es ist. Was soll schon großartig passieren, wenn ich mich einer Sache hingebe, die mich so sehr fasziniert? Vielleicht kommt es auch ganz anders und es geht überhaupt kein Zauber verloren, weil jedes Bild und jede Auseinandersetzung mit der Kunst seinen eigenen, neuen Reiz hat.

Nicht übermütig werden



Gerade lese ich aus meinen Text meine eigene Naivität heraus.

Das mag wohl daran liegen, dass mein Leben mit der Kunst (wenn ich an andere Künstler denke)  verhältnismäßig „neu“ ist und meine Begeisterung sich schwer im Zaum halten lässt. Wenn man vor Begeisterung nur so sprudelt, kann man in dem, was man schreibt, aber auch in der Malerei selbst schnell übermütig werden.

Christina, Mappenvorbereitung

Christina, Mappenvorbereitung

Aber ich glaube, ich stürze mich lieber mit Tatendrang ins Abenteuer und falle mal auf die Schnauze, oder nehme in Kauf, dass mir jemand ein Bein stellt, anstatt der Angst zu erliegen und mich in eine Totenstarre zu begeben.

Solange ich nicht verlerne, Kritik anzunehmen und nicht beginne, mich nach drei Monaten  Malschule für die Wiedergeburt der Vigée-Lebrun zu halten, kann es nur bergauf gehen.

Wunsch, Wirkung und Wunschwirkung

Vielleicht kennt ihr das Phänomen. Ihr habt eine Vorstellung, einen Plan, einen Wunsch von einem Bild bevor ihr es malt. Das ist ja auch gut so, denn so ganz ohne Ahnung drauf los malen, das hat wohl nur in der Kunsttherapie einen Sinn.

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

Was aber, wenn die Vorstellung nicht dem späteren Ergebnis entspricht?

Und damit meine ich nicht, dass man sich vornimmt, einen Baum zu malen und es wird dann irgendwie eine Blume daraus.

Nein, ich denke an die Wirkung des Bildes auf den Betrachter, die nicht der ursprünglichen„Wunschwirkung“ entspricht.

Ein Beispiel:

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

Klaus möchte sich an der Kunstakademie bewerben. Klaus ist ein braver, sehr ruhiger Junge.

Da er „brav und ruhig“ langweilig findet und die Jury vermutlich auch, er aber nicht aus seiner Haut kann, versucht Klaus mit einemeindrucksvollen Mappenthema seinen, seiner Meinung nach,  „unspektakulären“ Charakter zu „übermalen“.

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

 Er wählt schockierende Motive, unheimliche Kulissen und orientiert sich grundsätzlich an Horrorfilmen.

Unter uns gesagt:

Klaus hasst Horrorfilme und hat sich noch nie einen angesehen.

Also orientiert er sich an Plakaten, oder sieht sich dann notgedrungen einen Trailer an.

Das Endergebnis sieht folgendermaßen aus:

Man erkennt, was Klaus darstellen will, aber man empfindet es nicht.

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

ChristinaMonschau_KoelnerMalschule

Und nun die Frage: Merke ich es selber, wenn mein Bild die Wirkung verliert? Wie merke ich es früh genug? Und wie kann ich das ändern?

Mir geht es ständig so! Ich meine, dass ich noch nie exakt die Wirkung erzielt habe, die ich erhofft hatte.

Ich vermute, da kommen einige Faktoren zusammen.

Doch der größte und, meiner Meinung nach, wichtigste Faktor ist, dass dieses Gefühl, welches sich später in dem Bild widerspiegeln soll, auch vorher schon im Künstler existiert, in welchem Ausmaß auch immer.

Wunsch, Wirkung und Wunschwirkung

Wunsch, Wirkung und Wunschwirkung

 

Erst wenn ich mich nicht mehr versuche zu verstellen und etwas male, das mich ausmacht, was für mich spricht und zu mir passt, dann wirkt das Bild authentisch.

Sturm und Drang

Manchmal frage ich mich, ob ich damit gestraft bin, dass sich meine Interessen über das gesamte Gebiet der Kultur erstrecken. Ich bin relativ geschult im Malen, Schreiben und Musizieren. Aber nichts davon kann ich wirklich gut. Ich liebe alle diese Künste und ich kann keine vollkommen loslassen, obgleich ich mich danach sehne, wenigstens eine von ihnen wirklich gut zu beherrschen!

Aber in seltenen Fällen, wird mir bewusst, wie hilfreich diese großzügige „Interessenverteilung“ ist.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Gestern war bei mir (Schul-)Bücher ausmisten angesagt und dabei habe ich „Die Leiden des jungen Werther gefunden“. Ich muss zugeben, dass ich in Deutsch immer zwischen  zwei und vier schwankte. Irgendwann stand jedoch unter der Klausur zum Thema „Werther“ dick und fett „1+“.

Ich habe damals nicht gewusst, warum und es interessierte mich nicht sonderlich.

Jetzt aber, da ich im Studienvorbereitungskurs an der Malschule (trotz entmutigender Äußerungen von Bekannten und Verwandten) so eine überraschend starke Energie in die Durchsetzung meines Ziels stecke, sehe ich eine mögliche Antwort auf meine damalige Frage.

Was mein Innerstes ergreift, was mich begeistert, was mich berührt und reizt, das lerne ich mit Ehrgeiz, da steigere ich mich hinein!

Die „Leiden des jungen Werther“, um auf das Beispiel zurückzukommen, stach aus anderen Werken hervor, denn ich erkannte mich im Wesen Werthers wieder. Und plötzlich verschlang ich mit Leidenschaft eine Deutschlektüre.

Vielleicht ist es zu gewagt, Literatur und Malerei zu vermischen, aber nach der Auseinandersetzung mit der Epoche, die den „Werther“ umschließt, habe ich einiges für mich feststellen können:

Ich bin ein empfindsamer Mensch, ein „Stürmer“ und „Dränger“! In der Malerei brauche ich das Gefühl als Gegenstand meiner Betrachtung. Ich möchte mich und meine Gefühle durch die Malerei ausdrücken.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Im „Sturm und Drang“ gingen trockene, alle Gattungen und Schreibstile beherrschenden, Dichter, die alten moralischen Gesetzmäßigkeiten huldigten, unter.

Endlich wurde den wahren, freien Schöpfern Aufmerksamkeit geschenkt! Denen, die sich ihre Gesetze selber erdachten und mit Geist und Körper dazu standen. Sie schrieben nach ihren Regeln, was ihnen auf der Seele brannte.

Diese wenigen, aber starken Verfechter des „Sturm und Drang“ sind für mich und die Malerei ein wichtiges Leitbild. Ständig werden uns Regeln, Pläne, Gesetze aufgezwungen, nach denen die Meisten auch noch handeln! Aus Angst, Faulheit, Zwang, oder Gleichgültigkeit.

Für mich sind Künstler die unbeugsamen „Sturm und Drang – Helden“, die sich gegen Normalität und Bevormundung auflehnen.

Was will ich eigentlich?

Vor Kurzem habe ich im Blog der Malschule den Beitrag „Scheidewege“ vom Dozenten Ivan Dimov gelesen und möchte in Anlehnung daran, meine persönlichen Erfahrung mit dem Problem der Entscheidung und dem des Stillstandes mitteilen.

Für welchen Werdegang soll ich mich entscheiden?

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Nach wie vor ist diese Frage in meinem Leben präsent und es gibt die unterschiedlichsten Meinungen dazu. Meine Familie, vor allem mein Vater, ist der Überzeugung, dass eine Buchhändlerausbildung das Beste für mich sei. Er will kein Kind, dass ihm auf der Tasche hängt und hält nichts von „brotloser Kunst“.

Er redet sie förmlich klein, eindringlich und dominant, bis ich selber zu zweifeln beginne. Andere wiederum glauben, dass Lehramt gut zu mir passt.

Und ich? Ich hatte mich so langsam damit angefreundet, wenn ich schon zu schlecht für einMusikstudium bin, wenigstens Bühnenbild zu studieren.

Mit dem Gedanken konnte ich am besten leben und die Vorstellung gefiel mir sehr gut.

Leider ist das immer so eine Sache mit der Vorstellung und der Durchführung. Während ich in den Malkursen ein Portrait nach dem anderen malte, machte ich mirkaum Gedanken darüber, dass für die Aufnahme zum Bühnenbildstudium auch die Räumlichkeit ein wesentlicher Aspekt ist, den ich dafür beherrschen sollte.

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Für gewöhnlich wäre diese Erkenntnis kein Problem gewesen. Wäre da nur dieser eine Wunsch gewesen -nur Bühnenbild, nichts anderes!-, dann hätte ich mich voll und ganz auf die Anforderungen konzentriert und gezielt darauf hin arbeiten können.

Nun war aber Bühnenbild nur mehr Option als Ziel, was daher rührte, dass ich beim Entdecken kleiner Schwächen und Fehler gleich glaubte, nicht gut genug zu sein und mich schnell in ein anderes Ziel stürzte, in der Hoffnung, dass ich darin besser wäre.

Aber so läuft es nun mal nicht. Sondern: Erst ein Ziel setzen und dann darauf hin arbeiten! Aber das ist leichter gesagt, als getan, wenn neben der eigenen Unsicherheit jeder um Rat Gebetene etwas anderes sagt.

Im Grunde genommen, weiß ich, dass Ratschläge zu nichts führen und dass in diesem Falle nur meine Meinung zählt.

Daher beschließe ich nun endgültig bei meinem Ziel zu bleiben, Lehramt Kunst und Musik zu studieren und ich werde nicht ruhen, bis ich die Studienplätze habe.

Mappenthema

Heute habe ich fast drei Stunden in Malschule mit dem Erstellen einer Mindmap verbracht, um ein paar Ideen für mein Mappenthema zusammenzutragen.

Piano

Piano

Christina Monchau: Mappenvorbereitung

Christina Monchau: Mappenvorbereitung

Das Thema

„Musik“

hört sich einfach an, ist es aber absolut nicht.

Schließlich umfasst der Begriff einen riesengroßen Bereich und sich daraus “das Beste”herauszupicken, scheint mir verdammt schwer zu werden.

Aber ich mag das Thema und es passt zu meinem zweiten Wunschfach. Also Augen aufund durch!

Ich fange erst mal wieder klein an und zeichne Instrumente.

 Adieu Malerei, wir sehen uns wieder!

 

 Eine Portion Kritik, bitte, aber nicht zu viel…

 

christina-m

christina-m

Ich bin überaus selbstkritisch. Meine Zeichnungen sind verkrampft und kleinlich, meine Malerei ist kindisch und brav. Außerdem vermische ich die beiden Arten der Kunst immer wieder. Ich male, wie ich zeichne und mache immer wieder dieselben Fehler.

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Zeichnen erfordert keine besonderen körperlichen Fähigkeiten! Gute Zeichnungen entstehen in meinem Kopf. Das fängt schon beim „richtigen“ Sehen an. Aber so sehr ich mich auch bemühe, meinen Sinn entsprechend zu schulen, ich komme nicht von meinen Fehlern los.

Da fällt es schwer, weiterzukämpfen, wo doch frustriert alles aufzugeben so viel einfacher wäre. Wenn dann auch noch neue Mappenstudenten mit viel besseren Werken in ihrer Probestunde antanzen, ist es sowieso aus mit dem Selbstvertrauen.

Dann sitze ich da und schäme mich, weil ich glaube, dass alle meine Unfähigkeit längst erkannt haben und es mir nur nicht sagen wollen. Dann will ich nur noch im Erdboden versinken.

In solchen Augenblicken mache ich einfach weiter. Stoisch. Tapfer. Zu Hause setze ich mich noch mal an meine „Menschen“, zeichne etwas, das einfach Spaß macht. Spiele etwas mit meinen Zeichnungen, lasse sie dies und das tun. Es ist wie Meditation und danach, wenn ich wieder etwas lockerer bin, kann ich auch wieder an der Stelle ansetzen, die mir so schwer fällt.

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Christina Monschau: Mappenvorbereitung

Manchmal muss man sich einfach wieder auf den Akt des Zeichnens konzentrieren, ohne sich am Ergebnis festzubeißen.

Meine Erfahrung sagt mir, dass das Schlimmste, was man tun kann, das Aufhören ist.

Wenn man also denkt, dass man es nicht kann, sollte man erst recht weiter zeichnen. Denn irgendwann, wenn man es wirklich ernst meint,kommt ein Augenblick der Erfolgs (das kann eine einzige gelungene Zeichnung sein) und dann ist manwieder voller Energie für Neues.

Wenn ihr nach ein paar Monaten eure alten Zeichnungen wieder anseht, werdet ihr feststellen, dass ihr eine ganze Menge gelernt habt.

WIE GROSS WAR NOCH GLEICH EINE GEIGE?

cello I

cello I

Man sitzt da und denkt, eine Geige sei ein Kinderspiel!

Ich habe zuhauf Geigen gesehen und werde doch wohl wissen, wie eine Geige aussieht! Oder wo genau der Unterschied zwischen Cello und Violine ist. Dann zeichne ich sie und stelle fest, dass die Proportionen der Geige einfach nicht tun, was ich von ihnen will! Sie liegen schief und quer und plötzlich sieht das erbärmliche Instrument aus wie ein in der Luft schwebender Kuhfladen!

 

Eine StrategieAbstände und Größen im Motiv zu bestimmen, besteht darin, eine markante Länge des Motivs ins Verhältnis zu anderen Längen zu setzen. Und DAS vergesse ich immer wieder! Ich habe die Geige auf einem Tisch liegend, neben einem Aschenbecher auf einer Partitur zeichnen wollen.

Allerdings hätte ich zuerst gut messbare Längen im Motiv mit klar erkennbaren Linien (aber nicht zu fest) abmessen müssen. Zum Beispiel die des Tisches. Das Ganze ohne Lineal – versteht sich. Diese Größen hätte ich dann erst mit anderen Größen im Motiv, wie die der Geige, vergleichen sollen.

Geige I

Geige I

Eine Skizze ist doch zu allererst nichts als Messen, Aufbauen und Formen. Erst dann wird verfeinert.

Diei engstirnige Erwartung, das Ergebnis betreffend , macht alles kaputt.

Ich nehme mir also vor, mal ganz bewusst das Ergebnis zuvergessen und mich nur auf den Vorgang des Skizzierenszu konzentrieren. Und plötzlich endet die Stunde mit den Worten: “Ich glaube du hast heute das geschafft, was man denDurchbruch nennt. Besser bekommst du das nicht mehr hin.“

Durchbruch? Klingt gut, aber was kommt danach…?

ZURÜCK ZUM URSPRUNG

Nach einem sehr frustrierenden Erlebnis an der Staffelei, bei dem sich die Farben gegen mich verschworen und mich nieder getreten haben, hat man mir vorgeschlagen, es mal mit Aquarell zu versuchen. Vielleicht sind die deckenden Farben nichts für mich, oder ich muss mich einfach (anders) herantasten. Auf dem sicheren Weg. Mit kolorierten Zeichnungen.

Haus mit rotem Dach

Haus mit rotem Dach

Warum eigentlich nicht auf dem letztenErfolgserlebnis, den Instrument-Skizzen, aufbauen?

Also gut. Die ersten Übungen (mit dem mir neuen Material) waren absoluter Schrott. Vollkommen unsicher! Das gebe ich unumwunden zu. Aber als die Zeichnungen dazu kamen, wurde es besser. Ganz einfach, weil die Linien, Ecken und Kanten einem einen kleinen Anhaltspunkt und Sicherheit geben.

Ein kleines, uriges Städtchen an einem Kanal samt Brücke war mein erstes Motiv. Zunächst konzentrierte ich mich auf Architektur und urbane Strukturen. Nicht sonderlich ausgefallen und vielleicht ein wenig kitschig. Aber es gefiel mir.

Was mir bisher am besten an den kolorierten Zeichnungen gefällt, ist, dass unmittelbare Erkennen dessen, WAS ich falsch mache, wenngleich ich noch herausfinden muss, WIE ich diese Fehler vermeiden kann. Aber immerhin ertappe ich mich inzwischen beim Fehlermachen. Das ist für mich ein wesentlicher Fortschritt! Denn, wer seine Fehler nicht sieht, kann sie auch nicht verbessern.

Kirche mit grünem Dach

Kirche mit grünem Dach

UND GANZ WICHTIG!

Hier gilt immer und überall der uralte Spruch:Weniger ist mehr. (Solange man einen Fokus beibehält, der intensiviert und ausgebaut werden kann.)

- Das muss ich übrigens auch noch üben.

WAS HILFT GEGEN KITSCH?

INSEKTEN!

 

Ich war mal wieder nicht artig und habe ein „schönes“ Bild gemalt mit zwei nackten Frauen, die sich in den Armen liegen. Damit habe ich gegen zwei Grundsätze verstoßen: „Male keine Menschen!“ und „Nicht zu brav malen!“

Zwei Seelen wohnen ach in Ihrer Brust

Zwei Seelen wohnen ach in Ihrer Brust

Ich hatte einfach mal wieder Lust, in mein altes Muster zu verfallen und mich ein bisschen treiben zu lassen in Vertrautem und Gewöhnlichem.

 

Tja, ich hatte einfach Dieters Adlerblick unterschätzt! Ein Schritt ins Atelier und er stürzt sich auf mein Kitschbild wie ein schwarzer Panter auf seine Beute! Ich packte es trotzig wieder weg und nörgelte eine Weile herum: Was ich denn sonst bitte malen oder zeichnen solle, heute, wo ich doch die Tusche ausprobieren dürfe (und nicht unbedingt etwas für die Mappe dabei herausspringen müsse)?

 

Heuschrecke

Heuschrecke

Dieters Antwort war so schlicht wie überraschend:

„Insekten.“

Spinne

Spinne

Also verkrümelte ich mich in das Archiv mit den Beispielbildern und kramte im Insektenordner herum. Als ich wieder herauskam, wollte ich siegessicher verkünden, dass ich nur süße Insekten gefunden habe und ich, da ich ja nichts Süßes malen soll, nun also keine Insekten malen könne. Da hatte Viktoria aber auch schon ein Insektenbuch für mich parat gelegt.

Den Gedankenübertragungen des eingespielten Malschulteams würde ich wohl nicht entrinnen können. Also lieferte ich mich mehr oder minder freiwillig den Insekten aus. Eine Spinne hatte meine Aufmerksamkeit erregt, hatte mich eingewickelt in ihr feines Netz. Also fing ich an, zu malen oder sollte ich besser sagen zeichnen.

Ich dachte, es würde ohnehin nichts werden. So ein hässliches Lebewesen würde ich niemals ansprechend malen können und so entstand eine dermaßen lockere Haltung, die mir letzten Endes eigentlich ganz gut tat. Ich hatte keine Angst, etwas zu versauen. Daher habe ich frei, locker und mehr aus dem Bauch heraus gearbeitet. Genau das hatte mir bis dato gefehlt.

Ich hoffe, ich schaffe es auch beim nächsten Mal, genau diese Einstellung an den Tag zu legen, auch ohne entsprechendes “Vorspiel”.

 

Und unter uns: Insekten sind eigentlich ganz interessante Tierchen. Man muss nur genau hinsehen.

 

 

Wenn alles an Farbe verliert

 

Ernüchternde Einsichten

 

Vermutlich kennt das jeder… Die einen mehr, die anderen weniger. Momente der Enttäuschung.

Auflösung

Auflösung

Augenblicke, in denen einem klar wird, dass man Opfer einer Täuschung geworden ist. Und je länger diese Täuschung angedauert hat, desto schlimmer. Ähnlich empfinde ich, wenn ich mich von den Schmeicheleien anderer löse und mich nur noch auf mein eigenes Gefühl und eigenen Eindruck verlasse. Denn dann sehe ich die Qualität meiner Kunst im Verhältnis zu jener, die ich bis zur Mappenabgabe erreicht haben will.

Und das ist enttäuschend.

Tusche Kind

Tusche Kind

Diese Enttäuschung ist allerdings nicht hinderlich. Ich gehe sogar so weit, sie als hilfreich zu bezeichnen.

Auf den Wellen der Illusion zu treiben, wie eine Boje auf dem Meer, rettet einen zwar vor dem Untergang, aber bringt sie mich auch ans Ziel? Sicher nicht. Diese Wahrheit ist zwar alles anderes als angenehm, eröffnet aber auch neue und bessere Wege.

 

Clown spielt Humoresque

Clown spielt Humoresque

Es ist schön, Honig um den Mund geschmiert zu bekommen (auch wenn dies niemand  gerne zugibt).

Komplimente, die die Seele streicheln, hört das Ego einfach gerne. Man darf sie durchaus auch genießen.

 

 

Man vergesse nur bitte nicht, das eigentliche Ziel im Auge zu behalten und lasse sich nicht den kritischen Blick verschleiern.